2. August 2017

Für jeden das passende Fahrrad

Noch nie gab es so viele Fahrradtypen wie heute, sowohl Menschen als auch Räder. 

Vom urbanen Single-Speed-Radler, über den Pedelec-Pendler bis zum Rertroradlerinnen mit Blumen am Lenkerkorb, insgesamt rund 2.500 Fahrradtypen. Für jedes Bedürfnis und jeden Traum gibt es ein Fahrrad, und all das fährt auch in Stuttgart herum. Jetzt hat Bosch sogar ein Antiblockier-Bremssystem für Pedelecs entwickelt.

Das Fahrrad ist längst nicht mehr nur ein Transportmittel (das Auto ist es ja auch nicht), sondern Ausdruck eines freien Lebensstils. Räder werden geliebt, geschmückt und ausgestattet, personifiziert und personalisiert, gezeigt, erklärt und vorgeführt. Sie sollen nicht nur gut fahren, sondern auch gut aussehen: sportlich, gemütlich, stylish, originelle, unauffällig, funktional, cool ... Nicht nur der Fahrradmarkt und Hersteller in Baden-Württemberg profitieren davon.

Ein Black Betty (vermutlich Fixie) mit nützlicher Ausstattung
Im Jahr 2015 betrug der Umsatz im Einzelhandel mit Fahrrädern und Zubehör bei über 3,2 Milliarden. Mit mit Radklamotten, Sonnenbrillen, Werkstattleistungen dürften noch einmal etliche Milliarden dazu kommen, und die Hersteller von Radständern, Abstellanlagen, Fahrradgaragen etc, verdienen auch am zunehmenden Radverkehr. Insgesamt soll die deutsche Fahrradbranche vor zwei Jahren 16 Milliarden Euro umgesetzt haben.

Stellt sich langsam die Frage, ob die soziale Ungleichheit sich künftig übers Fahrrad ausdrücken wird. Die einen fahren mit teuren Pedelecs, die anderen mit 50-Euro-Rädern. Der Der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim beantwortet in diesem Artikel die Frage mit einem interessanten Hinweis. Das Fahrrad galt lange Zeit als Arme-Leute-Verkehrsmittel. Deshalb bestehe in den alten Industrierevieren wie dem Saarland oder dem Ruhrgebiet die größte Autofixierung. Mann könnte aber gerade bei Pedelecs über eine staatliche Förderung nachdenken, so wie bei Elektroautos. Dann könnten sich auch Leute mit kleinerem Geldbeutel ein Pedelec leisten.

Und ich ergänze: Wobei ein Pedelec, das 2.000 Euro kostet, immer noch billiger ist als ein Gebrauchtwagen, der ebenfalls 2.000 Euro oder mehr kostet, denn man spart sich Benzin, Winterreifen, die teuren jährlichen Inspektionen und die teuren Reparaturkosten, die so ein altes Auto mit sich bringt. Der Aktionsradius in der Stadt, allemal im kleinen Stuttgart, ist genauso groß wie der mit dem Auto. Und braucht man doch mal einen Wagen, dann leiht man ihn sich beim Nachbarn oder bei Verwandten oder bei Carsharing. Für Transporte kann man sich ohnehin Lastenräder in Stuttgart teils sogar kostenlos ausleihen.





Kommentare:

  1. Prinzipiell ja, aber
    1. ist die Aussage "dann leiht man sich das Auto beim Nachbarn oder bei Verwandten" schon etwas gewagt, denn die haben ja hoffentlich auch kein Auto mehr. Vielleicht wäre es eine Idee, gemeinsam mit Nachbarn ein Lastenrad zu besitzen.
    2. Habe ich mir vor zwei oder drei Jahren ein neues Rad gekauft und musste feststellen: City/Tourenräder ohne Elektro gibt es nur in schwarz, dunkelgrau und, für Mutige, in Dunkelblau. Da fühlt man sich gegenüber dem Autokäufer schon etwas benachteiligt.

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    1. Beim Auto gibt es offenbar auch nur noch 3 Farben: weiß, schwarz, grau. Als ich meinen Familienkombi angeschafft habe, war das mutigste im Angebot der Jahreswagen dunkelblau metallic. Wenn man die Blechkarawane anschaut, ist bis auf die Rücklichter alles farblos. Wenn das Fahrverbot mich von meinem Clean Diesel trennt, werde ich erneut versuchen ein Auto mit Farbe zu kaufen.
      Mein Fahrrad ist dagegen knallbunt, neongelb mit dunkelblau. Tolle Farben haben die Händler mangels Nachfrage oft nicht vorrätig, und müssen sie bestellen. Ein Blick in die Kataloge lohnt sich.

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  2. Bei Müsing kann man für sein Fahrrad die Grundfarbe und die Beschriftungsfarbe aus einem ziemlich großen Angebot von RAL-Farben aussuchen.

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  3. Zu den Kosten: bei einem Pedelec lässt der Akku nach 3-5 Jahren nach und muss ersetzt werden. Das sind mehrere hundert Euro, falls dann nicht sowieso ein neues Fahrrad fällig ist.
    Und aus Erfahrung kann ich sagen, bei 12000 km pro Jahr mit dem Fahrrad sind Wartung, Reparaturen und Ersatzteile (auch bei Muskelkraft-Fahrrad) pro Jahr bei mindestens 300 Euro - entsprechend mehr, wenn man eine Werkstatt in Anspruch nimmt. Wenn man nicht auf ein besonders langlebiges und stabiles "Randonneur"-Rad setzt mit entsprechendem Anschaffungspreis, hält ein Rad deutlich kürzer als ein Auto: so ungefähr 50.000 km, dann ist es ausgelutscht.

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    1. Bisher halten meine Pedelec Akkus gut durch. Ein 2013er Bosch PowerPack 400 hat noch gut 70% seiner Kapazität nach 16.000km und 240.000hm. Beim 2017er BMZ mit 650Wh ist es noch zu früh für Langzeiterfahrung, aber immerhin wird 4 Jahre Garantie auf den Akku gewährt.

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  4. Ich habe mir gerade ein neues Fahrrad gekauft. Mein altes Pegasus hatte ich 7 Jahre und bin damit insgesamt 21.000 km gefahren. Es hat mich 8 ct/km für Kauf, Instandhaltung und Reparatur gekostet mit Zubehör, Fahrradkleidung und sonstigen Kosten (z.b. Fahrradtickets für Zug etc.) kam ich auf 11 ct/km. Das ist absolut in Ordnung.

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    2. Mein 2013er Pedelec war leider ein Kettenfresser. Die Kosten für Kettensätze sind genauso hoch wie seine Anschaffungskosten. Bisher komme ich auf etwa 18 Cent/km. Es fährt aber noch, und wird daher noch günstiger.

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