4. August 2017

Autofahrer lehren Radfahrer das Fürchten

Am Botnanger Sattel gibt es Radspuren, die Radler über die Kreuzung leiten sollen. Gut ausgedacht. Aber die Rechnung wurde ohne die Autofahrer gemacht. 

Die benutzen, wenn sie vom Westen kommen und nach Botnang hinunter fahren wollen, den Radstreifen als Spur, um die Linksabbieger rechts zu überholen und geradeaus weiter zu fahren. Darauf hat mich Peter Pipiorke von den Naturfreunden aufmerksam gemacht, von dem dieses Foto stammt.

Ich bin also hingeradelt und habe dort eines meiner Viertelstunden-Beobachtungsvideos gedreht.


Gerne benutzen die Autofahrer, wie das Video zeigt, auch die Rechtsabbiegespur, um den Radstreifen von rechts zu queren, wo sie sich mit den Autofahrern arrangieren müssen, die von der Fahrspur nach rechts ausscheren. Radfahrer werden zwischen den Überholern zermalmt. Wahrscheinlich deshalb fahren dort nicht viele Radler auf der Fahrbahn. Sie nehmen dann doch lieber den Gehweg.

Das Video wurde während fünf oder sechs Grünphasen innerhalb einer Viertelstunde gedreht. Es zeigt, dass hier der Verkehr anders organisiert werden muss, denn die Autofahrer akzeptieren offensichtlich nicht, dass sie hinter den Linksabbiegern warten müssen, die wiederum den Gegenverkehr von Botnang kommend abwarten müssen. Eine Möglichkeit wäre, die Ampelschaltung so zu verändern, dass die Autofahrer aus dem Westen hoch keinen Gegenverkehr haben. Vermutlich gibt es Gründe, das so nicht zu machen. Wenn auch aufkosten der Radspur und der Radfahrenden.



Eine zweite Möglichkeit wäre, die Radspur mit Baken abzusichern und unüberfahrbar zu machen. Eine dritte wäre, die Autofahrbahnen insgesamt schmaler zu machen und eine Linksabbiegespur einzurichten. Platz  dazu ist da, wie das zweite Foto von oben zeigt. Falls der Platz dennoch bei dem Tempo als zu eng angesehen werden sollte, könnte man hier auch mal Tempo 30 anordnen.

So jedenfalls geht das nicht. Das ist ein Radinfrastruktur, die Radfahrenden Angst macht. (Vor allem, wenn dann auch noch ein Bus auf der rechten Spur hochdröhnt und abbiegt, mit dem Heck an der Radspurlinie, und von Links und von hinten Autos drängeln).

Kommentare:

  1. Eine weitere Möglichkeit wäre es, diesen Schutzstreifen abzuschaffen. Er hat ja seinen Zweck verfehlt. Statt Radler zu schützen wurden Radler vertrieben.

    Vielleicht nehmen ja auch die Verantwortlichen Stellung, was sie geplant hatten und wie sie die Situation jetzt beurteilen.

    Der ADAC hat in seinem vorletzten Heft den Themenschwerpunkt Radverkehr gehabt. Im letzten Heft gab es dann erboste Leserbriefe über die Radler, die sich alle an keine Regeln halten, die StVO missachten und Autofahrer gefährden.

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    1. Man könnte ja auch mal einen dicken Hochbordradweg solche Straßen hinauf und über solche Kreuzungen legen. Hier zeigt sich jedenfalls, warum die schmalen Radstreifen gerade als Kreuzungsüberfahrten für viele Radler/innen so unangenehm sind und als gefährlich empfunden werden. Und ja, dass sich Radler an keine Regeln halten, das sind Standardkommentare, eigentlich nur noch Reflexe. Tatsächlich halten sich ja Fußgänger und Autofahrer auch (jedenfalls immer einige von ihnen) nicht an Regeln, wenn sie ihnen nicht einleuchten oder unbequem sind. Wir ticken vermutlich alle so, dass wir nur die Regeln akzeptieren und gegen andere durchsetzen, die wir für uns selbst für nützlich halten. Was unbequem ist, tun wir halt dann einfach nicht.

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    3. m Herbst letzten Jahres wurde die StVO novelliert. Hier die passende Pressemitteilung des ADFC.

      "StVO-Novelle bringt Verbesserungen für Radverkehr

      Bisher mussten Kommunen erst das erhöhte Unfallpotenzial eines Straßenzuges („besondere örtliche Gefahrenlage“) nachweisen, bevor sie dort einen benutzungspflichtigen Radfahrstreifen anlegen konnten. Das führte häufig dazu, dass gar keine oder nur unzureichende Radinfrastruktur geschaffen wurde. Durch die Neuregelung ist es künftig auch ohne Nachweis einer örtlichen Gefahrenlage möglich, Radfahrstreifen innerhalb geschlossener Ortschaften anzulegen.

      Diese Regelung begrüßt der ADFC als Fortschritt für Städte, die den Radverkehr ernsthaft fördern wollen. Falls die gleichlautende Regelung für Radwege außerorts in der Praxis dazu führt, dass mehr mangelhafte Wege als benutzungspflichtige Radwege ausgewiesen werden, wird der ADFC dagegen vorgehen."

      Der ADFC begrüßt, dass Anlagen wie diese hier in Zukunft noch leichter angelegt werden können.

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    4. So ist es auch Augsburger Strasse zur Wilhelm Maybach Schule. Die Leute fahren auf dem Radstreifen um a) rechts anzubieten oder b) ganz frech doch geradeaus als zweite Spur zu fahren. Die Polizei interessiert es nicht, schon gemeldet.

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    5. So ist es auch Augsburger Strasse zur Wilhelm Maybach Schule. Die Leute fahren auf dem Radstreifen um a) rechts anzubieten oder b) ganz frech doch geradeaus als zweite Spur zu fahren. Die Polizei interessiert es nicht, schon gemeldet.

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  2. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass man, wenn man hinter den Linksabbiegern wartet und geradeaus weiter in Richtung Botnang fahren möchte, die Ampelphase nicht schafft, da eben die Linksabbieger den Gegenverkehr von Botnang kommend abwarten müssen.

    Die Lage wird an dieser Kreuzung durch zwei Fehlverhalten der Autofahrer grundsätzlich verschärft:
    1. Gerade die Autofahrer in Stuttgart und Umgebung sind mit die größten Blinkmuffel in Deutschland und es passiert sehr oft, dass etliche an dieser Stelle links abbiegen wollen, aber keinen Blinker an haben.

    2. Die, die links abbiegen wollen, ordnen sich sehr oft nicht ausreichend weit links ein (z.B. gut im Video zu sehen beim dunklen Kleinwagen an der Stelle 0:47s), so dass man an ihnen nur durch rechts überholen vorbeikommt.

    Da die Polizei schon lange nicht mehr den Verkehr kontrolliert, hat keiner etwas zu befürchten, wenn er so fährt, wie im Video gezeigt. Und spätestens wenn man 2 Mal hinter den Linksabbiegenden gewartet hat und in der Zeit ständig von Autos rechts überholt wurde, fährt man beim dritten Mal auch selbst so, sonst ist man der Dumme.

    Wenn sich die Polizei dort wie Du, bloß 15 Minuten am Tag hinstellen würde und alle Linksabbieger, die nicht blinken, sofort danach auf dem Weg zur Brücke rausziehen (Platz wäre da) und bestrafen würde, dann würde sich die Lage entspannen.

    Ja, diese Kreuzung müsste anders organisiert werden. Zwei Spuren Richtung Botnang und dann grüne Ampelphase für Geradeausverkehr und eine für Linksabbiegen. Die Autofahrer aus Botnang kommend, können dann die grüne Geradeausphase für Rechtsabbiegen nutzen, da aus Botnang kommend das Linksabbiegen verboten ist.

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    1. Interessant auch, dass Autofahrer nicht warten wollen. Es scheint dringend nötig zu sein, die Ampelphase zu schaffen, koste es, was es wolle. So als ob man ein Recht darauf hätte, beim ersten Grün über eine Ampel zu kommen, deren Grünphase übrigens sehr lang ist, oftmals länger als überhaupt noch Verkehr kommt.

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    2. Ehrlich gesagt, als Radfahrer will ich auch nicht warten. Mein Verhalten auf den kombinierten Rad- und Gehwegen (z.B. Hauptradroute Nr. 1, oberer und unterer Schloßgarten) sowie auf Gehwegen mit Zusatz Radfahrer frei (z.B. fast durchgehend auf der Neckartalradroute):

      - Ich überhole Fußgänger rechts, die links laufen, und ich überhole Fußgängergruppen in der Mitte, wenn sie mir dort Platz machen. Laut StVO darf ich ausschließlich links überholen, müsste also in Flanier-Tempo hinterherdackeln. Für Fußgänger gilt kein Rechts"fahr"gebot; die dürfen den gesamten Platz nutzen.

      - Ich lasse so gut wie nie die vorgeschriebenen 1,5 m Überholabstand. Die meisten Wege der Radinfrastruktur in Stuttgart sind schmaler als vorgeschrieben, da dürfte man eigentlich überhaupt nicht überholen, weder Fußgänger noch andere Radfahrer.

      Die unzureichende und beinahe durchgängig widerrechtlich geplante Radinfrastruktur in Stuttgart drängt einen zu Fehlverhalten. Nebenbei, das ist fast die gleiche Argumentation wie von Anonym oben, nur dass die Autofahrer sich darauf verlassen können, dass ihnen durchgehend ordentlich geplante Straßen zur Verfügung gestellt werden, die die Mindestbreiten einhalten. Auf den Hauptrouten wird es sogar luxuriös. Dort gibt es zusätzliche Fahrstreifen zum Überholen! Davon können wir Radfahrer nur träumen. Stattdessen Pförtnerampeln auf den Hauptrouten, verkehrsberuhigte Bereiche auf den Hauptrouten, shared space auf den Hauptrouten, Schritttempo auf den Hauptrouten. Entsetzlich, das soll den Radverkehr fördern?

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  3. Ich frage mich bei diesen ganzen Schutzstreifen - mit und ohne durchgezogene Linie - eh wie die mit dem Sicherheitsabstand zu vereinbaren sind?
    Dort wo man diese in Stuttgart findet, sind sie ehr mit der Intention von Radfahrstreifen umgesetzt, aber natürlich ohne deren Namen zu verdienen (mal abgesehen von den abschnittsweise echten Radfahrstreifen entland der Wailblinger oder oberen Böbinger Straße).

    Also mal regel konform (und vielleicht auch mit Sicht der Planer) betrachtet: warum darf ein Auto zwar nicht die weiße Line überfahren, mich jedoch mit weiter unter 1.5m links überholen?
    Alleine durch dieses Design begeht doch schon jeder Autofahrer dort eine Straßenverkehrsgefährdung, wenn auch nur jeder zwei oder vierrädrige Verkehrsteilnehmer seinen angedachten Weg nutz??!

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    1. Ja. Und der Radstreifen, der vom Westen die Straße empor führt, ist mal breit, mal mit durchgezogener Linie, mal ohne, mal hört er ganz auf, mal ist er nur gestrichelt und schmal und so weiter. Ich beobachte, dass Autofahrer die Neigung haben, nach dem etwas knapp Überholen zudem noch nach rechts zu ziehen mit mit den rechten Reifen auf dem Radstreifen die Kurve zu nehmen, etwa auf der Kaltentaler Abfahrt, wo es teils auch nur schmale sogenannte Sicherheitsstreifen gibt. Die Krux bei uns ist so eine Mischung aus latenter oder offener Aggressivität der Autofahrer den Radlern und ihrer Infrastruktur gegenüber und einem Mangel an Radfahrenden, die den Autofahrern zeigen würden, dass sie da sind und zwar überall. Dann heißt es immer: Da fährt doch sowieso kein Radler (und Radfahrende erklären zudem, sie wollten eh nicht entlang solcher Straßen radeln), wozu also eine breite Infrastruktur bauen und gegen Autos schützen? Aber es fahren halt da auch nur wenige, weil nur wenige den Stellungskampf beim Ampelstart oder in Kurven mit dem Autoverkehr täglich durchfechten wollen. Sie suchen sich dann andere Wege, die leider dann auch über Gehwege führen. Und dann heißt es wieder: Radler halten sich doch an keine Regeln und fahren ständig auf Gehwegen. Der Grund: Autofahrer halten sich halt auch an keine Regeln und machen Radlern damit Angst.

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    2. Hallo Sebastian,

      auch auf einem Schutzstreifen hat der Autofahrer 1,5m Abstand beim Überholen einzuhalten. Nur wissen das nahezu 100% der Autofahrer nicht, oder ignorieren die Regel. Mangels Kontrolle der Regelung durch die Polizei wird sich daran auch nichts ändern.

      Gruß,
      Carsten

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    3. Danke Christine und Carsten, ihr beide sprecht es ja schon an: manche Autofahrer kennen ihre Pflichten und Regeln - manch andere nicht.

      Daher sollte man von der Planungsarbeit vielleicht so einigen Unterstützung anbieten: ist zu Beispiel beim Autofahren auf mehrspurigen Kreuzungen auch recht hilfreich, kurzum sinnvoll angelegt Fahrbahnmarkierungen bringen jedem etwas.
      Pinselt man allerdings nach gut dünken ohne sich der Regeln bewusst zu sein auf der Straße herum, kann das fatal enden.

      Klar weiß ich dass auch die 1,5m gerade auch beim Schutzstreifen eingehalten werden muss, jedoch ist das an einigen Stellen wie dem Kaltental baulich bedingt gar nicht möglich.

      Meine Frage ging ehr in eine etwas andere Richtung: die hier im Videobeispiel gezeigt Infrastruktur ist ja kein Schutzstreifen, da durchgezogene Linie.
      Wie steht's hier um den Sicherheitsabstand, Platz nach Links ist ja im Grunde da?
      Was ist aber mit denen an der Theodor-Heuss-Straße, hier kommt ja nach Links die zweite Autofahrspur??!

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    4. Diese ganzen aufgemalten Spuren haben meiner Meinung nur ein Ziel. Der Radler soll zur Seite gedrängt werden, damit KFZler freie Fahrt und freie Sicht haben. Jeder hat seine Spur und damit ist doch allen gedient. Der Schutzstreifen schützt den Autofahrer vor den Radlern.

      Der Sicherheitsabstand von 1,50m ist vermutlich den meisten nicht bekannt. Und wäre wohl in den Augen der meisten auch obsolet.Denn wenn jeder auf seiner Spur fährt, kann es ja keine Probleme geben.

      Ich nutze mittlerweile diese Schutzstreifen nur noch, wenn ich mindestens zu einer Seite ausreichend Sicherheitsraum habe. Ansonsten fahre ich konsequent auf der Fahrbahn.

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    5. Defintiv nicht. Jedenfalls steckt nicht die Absicht dahinter, Radler beiseite zu drängen, sondern ihnen ihren Platz zu verschaffen. Es ist die ehrliche gute Absicht dahinter, es so gut wie möglich zu machen. Nur dass die Autofahrer es hier ziemlich unverfroren konterkarieren.

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    6. Wie breit ist der Streifen? 1,5m?

      Das Ergebnis dieser "ehrlichen, guten Absicht" ist, dass Radler lieber auf dem Gehweg fahren. Du schreibst es ja selber. Gut gemeint ist halt oft das Gegenteil von gut gemacht.

      Und wie lange herrschen diese Zustände schon?

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    7. Weiß ich nicht. Mir hat eben erst kürzlich jemand davon erzählt. Ich fahre da nicht ständig, eigentlich eher nie. Aber in GoogleMaps ist diese Gestaltung der Kreuzung schon so drin. Und ausgemessen habe ich den Streifen nicht. Da hätte ich auf die Straße springen müssen. 😊 Ist eigentlich auch egal. Es geht halt so nicht.

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    8. Genau, so geht's halt nicht. Und wenn auf Radwegen etc. höhere Risiken bestehen als auf der Fahrbahn, dann fahren wir halt auf der Fahrbahn. Das ist nebenbei der angestammte Platz für Fahrzeuge, also auch für Fahrräder.

      Sichere Radwege werden gerne akzeptiert, Gefährdungsstreifen hingegen nicht.

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    9. Schutzstreifen sind ja Bestandteil der gemeinsam genutzten Fahrbahn. Nach den Vorschriften sind sie 1,50 m breit anzulegen (wobei die Markierung selbst auch dazugehört), mindestens aber 1.25 m (siehe ERA 2010).

      Diese Mindest-Vorgabe empfinde ich als nicht angemessen, wenn sie auf einer Straße wie die Kaltentaler Abfahrt angewendet wird (starker Autoverkehr, Kurve, Hauptradroute). Denn dort soll man als Radfahrer ja 1 m Abstand vom rechten Fahrbahnrand halten, d.h. mit dem Lenker ragt man dann schon in den "ungeschützten" Teil der Fahrbahn. Egal, man muss sich nur in Erinnerung rufen: Schutzstreifen sind Angebotsstreifen, d.h. als Radfahrer darf man natürlich die gesamte Fahrbahn in Anspruch nehmen, genauso wie Autofahrer die gesamte Breite (einschl. Angebotsstreifen) in Anspruch nehmen dürfen. Gefährden darf man sich dabei natürlich nicht gegenseitig, d.h. juristisch gibt es fast keinen Unterschied dazu, wenn keine gestrichelte Linie aufgemalt ist. Die Funktion ist im Wesentlichen dier Hinweis an die Autofahrer: "Seid bitte nicht überrascht und überfordert, wenn euch auf dieser Straße ein Radfahrer begegnet. Der darf sich wirklich, ehrlich, berechtigt hier aufhalten, auch wenn er euch ungelegen kommt."

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    10. Ganz so einfach scheint es nicht zu sein. In  Wikipedia ist über Schutzstreifen zu lesen:

      " Eine ausdrückliche Benutzungspflicht von Schutzstreifen ist in der Straßenverkehrs-Ordnung nicht gegeben. Ob indirekt in Folge des Rechtsfahrgebotseine Benutzungspflicht des Schutzstreifens für Radfahrer besteht, ist umstritten. Es gibt jedoch explizite Einträge im Bußgeldkatalog (TBNR 102142 bis 102145[3]), die diese Meinung stützen, auch wenn keine explizite Benutzungspflicht besteht."

      Interessant: Ich bin nicht verpflichtet, diese Streifen zu benutzen. Tue ich es aber nicht,  riskiere ich ein Bußgeld.

      Ein weiterer Grund, diese Gefährdungsstreifen abzulehnen. Sie gefährden nicht nur meine Gesundheit, sondern auch noch meinen Geldbeutel.

      Und sie signalisieren dem Autofahrer, wo der Platz für die Radler ist.  "Fahr gefälligst auf deiner Spur. " Sie fördern  das Revier-Denken.

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  4. Vorab: Ich bin Botnangerin und fahre daher sehr oft mit meinem geliebten Pedelec über den Botnanger Sattel. Und eines ist mir dort wirklich noch nie passiert: Ich bin noch nie von einem Autofahrer bedrängt worden oder habe entsprechendes beobachtet. Da gibt es deutlich schwierigere Stellen in der Stadt.

    Die Art und Weise, wie hier gefahren wird, ist historisch bedingt. Das war schon so, als die Straßenbahn noch über den Botnanger Sattel quietschte und mein Fahrlehrer sagte "egal wie wild der klingelt, wenn Du links abbiegen willst, stehst Du auf den Gleisen richtig". Die Fahrer hassten das natürlich, die Steigung ist beachtlich und das Anfahren mit der Bahn kostete eine Menge Sand.

    Seit dem Stadtbahntunnel wurde die Straße umgebaut und der Gehweg rechts Richtung Botnang mit dem breiten Radweg ausgestattet. Der übrigens zu Beginn von den Radlern bergab gar nicht angenommen wurde, weil er oft schmutziger war als die Straße - und wer damals mit dem Rad nach Botnang fuhr, nutzte in der Regel ein Rennrad. Die Autofahrer verhalten sich wie früher. Niemand bleibt hinter dem Linksabbieger stehen - egal mit welchem Verkehrsmittel er unterwegs ist. Und - ich fahre ja auch oft genug mit dem Auto - die Zahl der Radler, die man dabei abwarten muss, ist überschaubar. Aber es geht nach wie vor um eine Kurve bergauf, der Radstreifen begleitet die Straße schon ab dem Vogelsang. Das heißt hier ist niemand schnell, nichts kommt wirklich überraschend und ich habe, wie Eingangs erwähnt, noch nie etwas "bedrohliches" hier erlebt.

    Die Radlerin, die im Video lieber den Gehweg benutzt tut das aus meiner Sicht, weil sie damit die Rotphase der Ampel umgeht. Wenn die Auto-Ampel rot ist, ist die Fußgängerampel sehr lange grün, denn rechts abbiegen darf hier nur der Bus. Gelernt habe ich das übrigens von einer Nachbarin, die hier noch öfter fährt als ich :-)

    Ach, und was die Breite angeht: Mir erscheint der Streifen so breit zu sein, wie andere auch.

    Viele Grüße
    Andrea

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    1. Hallo mAnonym 5. August 2017 um 22:04
      Ich stimmer dir bei deinem Beitrag voll und ganz zu. Bin ebenfalls Botnanger und fahre die Strecke mehrmals wöchentlich. Ich bin ander Stelle noch nie von Autofahrern bedrängt oder genötigt worden. Fahrt mal mit dem Rennrad durchs Feuerbacher Tal. Danach wisst ihr was Nötigung, Gefährdung und Lebensgefahr bedeutet.

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    2. Übrigens gabe ich nicht von Nötigung und Lebensgefahr gesprochen. Allerdings dind Verkehrsregeln eben Verkehrsregeln. Und die durchgezogene Linie eines Radstreifens dürfen Auros nicht überfahren. Abgesehen von den anderen Regeln, die beim Überholen über eine Abbiegespur gelten. Man kann Radlern nicht mit Geschrei vorwerfen, sie hielten sich an keine Regeln und sie als Autofshrerfür sich großzügig auslegen. Gell.

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    3. Nun, der Artikel ist mit "das Fürchten lehren" überschrieben, daraus schloss ich, Du siehst an dieser Stelle eine Bedrohung für die Radelnden, und deshalb wollte ich erklären.

      Wenn es aber nur ums Prinzip und die überfahrene Linie geht, ziehe ich meinen Beitrag sofort und vollständig zurück, denn dazu sitze ich viel zu sehr im Glashaus.

      Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, beuge ich die Regeln deutlich öfter als mit dem Auto. Und ich habe nur Ausreden wie "das ist hier gelebte Praxis" (da fahre ich auf dem Radweg gegen die Fahrtrichtung) oder "stört ja keinen" (ignorieren der roten Fußgängeramel mit und ohne Radsymbohl) oder "weil ichs kann" (wenn ich situativ entscheide, ob ich dem Fußgänger- oder dem Autoverkehr über die Kreuzung folge). Und all das ohne jedes schlechte Gewissen. Warum? Weil ich niemanden behindere oder gar gefährde. Wobei Punkt 1 durchaus eine erhöhte Aufmerksamkeit aller Beteiligten fordert und ich für die dort gelebte Toleranz wirklich sehr dankbar bin.

      Viele Grüße
      Andrea

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    4. Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch und verstehe nicht die Sachlage, aber aus meiner (bisherigen) Sicht ist es völlig in Ordnung, wenn die Autofahrer dort die „Radspur“ benutzen, sofern sich dort kein Radler blicken lässt. Wenn es eine „Busspur“ wäre, würden die Autofahrer diese auch benutzen, sofern kein Bus die Route blockiert. Und auch das fände ich aus der Sicht eines Autofahrers erstens naheliegend und zweitens unbedenklich.

      Nach meiner (bisherigen) Einschätzung ist es viel wichtiger, dass sich Autofahrer der Verkehrssituation entsprechend umsichtig und vorsichtig verhalten, vgl. § 1 StVO. Ich stelle fest, dass dies zunehmend weniger geschieht. Erst heute mal wieder wollte mich ein völlig rücksichtsloser E-Klasse-Fahrer in einer Nebenstraße töten. Und dabei übertreibe ich nicht und ich habe auch nichts gegen Autos generell, aber gegen so manches Autofahrer-Gesindel doch sehr viel.

      Falls es so sein sollte, dass die politische Alternative zwischen einer autogerechten oder einer menschengerechten Stadt besteht, sehe ich uns als Radfahrende in Stuttgart als Verlierer an. Denn so lange die politische Mehrheit in Stadt und Land nicht ernsthaft ein 30-km/h-Tempolimit auf innerörtlichen Nebenstraßen beschließt und auch durchsetzt, verweigere ich in Zukunft die Diskussion. Ich lasse mein Leben nicht mehr von irgendwelchen Psychopathen zum vermeintlichen Nutzen der Automobilindustrie gefährden. Ich kann ohnehin nicht verstehen, weshalb die Produktion und Nutzung von Autos der Konzeption einer humanistischen Demokratie widersprechen sollte. Das können meinetwegen Kretschmann und Zetsche unter sich ausmachen. Mir ist das zu blöd geworden. Ende der Diskussion.

      Zwar hasse ich Lenkertaschen, aber ich ziehe ab sofort in Erwägung, eine solche zu montieren, mit Pflastersteinen oder Molotow-Cocktails zu bestücken und im Fall der Fälle ein paar Geschosse proaktiv oder reaktiv hinterher zu werfen. Ich habe endgültig die Schnauze voll. Schluss mit lustig.

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    5. Stefan, es ist in Ordnung, solange die Radspur gestrichelt ist. Es ist nicht in Ordnung, wo es sich um eine durchgezogene Linie handelt. Übrigens nicht nur bei Radspuren, sondern auch bei Abbiegespuren. Autos sollen im Kreuzungsbereich in ihren Spuren bleiben, damit es nicht unübersichtlich und gefährlich wird. Das ist der Sinn dieser Maßnahmen. Gerade auch, weil Autofahrer (aber auch RAdler) in unübersichtlichen Situationen und wie hier unter Überholstress den Überblick verlieren, regelt man solche Kreuzungen eindeutig. Autofahrer gefährden Radfahrer hier ebenso eindeutig. Denn Autofahrer haben einen toten Winkel. Sie schweren aus und haben den Radler auf der Radspur dabei eben gerade nicht gesehen. Übrigens sehe ich mich nicht als Verliererin an, weil ich Radfahrerin bin. Ich sehe mich mehr als unermügliche Rednerin und Kämpferin (im rhetorischen Sinn) für eine Verbesserung des Radverkehrs. Und wir Radler sind das alle, denn je mehr in Stuttgart Rad fahren, desto selbstverständlicher wird es. Es hängt auch von uns ab, ob es besser wird.

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    6. Und noch mal Stefan: Mich hätte kürzlich auch fast ein Autofahrer getötet. Er ist nämlich bei Rot noch weitergerast, als ich schon losgeradelt war. Zum Glück ist er einem anderen Auto, das von gegenüber startete, vor den Kühler gerast, der hupte und ihn zum Bremsen brachte. Sonst hätte er mich womöglich noch erwischt.

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    7. Vielen Dank für deinen Kommentar. Na, dann freuen wir uns mal, dass wir beide die Killerattacken - mal wieder - überlebt haben und voraussichtlich auch morgen noch als Radler unterwegs sein werden :-))

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  5. Über den Botnanger Sattel fahre ich auch oft und finde die Situation dort gar nicht so dramatisch. Die sich zu breit aufstellenden Linksabbieger und die rechts daran vorbeifahrenden Autos haben die gleiche Ampelphase wie die Radler, so daß man sich bereits gesehen hat. Ich habe mich dort noch nie gefährdet gesehen.

    Viel nachteiliger für Radler finde ich den umgekehrten Weg, von Botnang in den Westen. Man kommt dort linksseitig den Fuß-/Radweg herauf und muss vor der Brücke den Überweg Richtung Birkenkopf bis zur Verkehrsinsel nehmen. Dort eine 90°-Wendung nach links, die nächste Grünphase abwarten und dann kann man rüber. 2 lange Ampelphasen, dazu versperrt man auf der Aufstellfläche auf der Verkehrsinsel dem Verkehr Richtung Birkenkopf den Weg und mehr als ein Radler passt dort eigentlich auch nicht hin. Mit Lastenrad oder Anhänger wird das eng.

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