26. Mai 2017

Erster Radschnellweg Sindelfingen-Rohr geplant

Der Landkreis Böblingen will schon im kommenden Jahr auf der Römerstraße den ersten Radschnellweg nach Stuttgart eröffnen. Er verbindet Sindelfingen und Böblingen mitRohr. 

Wie die Stuttgarter Zeitung am 21. Mai berichtete, soll dafür das historische Kopfsteinpflaster streckenweise überdeckt und die Straße frühmorgens und nachts bis 22 Uhr per Bewegungsmelder beleuchtet werden.

2,2 Millionen will der Landkreis Böblingen investieren. Die Denkmalschützer scheinen sogar ganz froh zu sein, dass das Kopfsteinpflaster durch Asphalt geschützt wird. (Es werden Trennschichten aufgetragen, darüber kommt dann schwarzer Asphalt.) Immer wieder sollen Abschnitte für Betrachter offen gelassen werden. Und erhalten bleibt der Abschnitt in Vaihingen/Rohr, der direkt zu den Patch Barracks führt, denn der ist nicht mehr Teil des Radschnellwegs. Es sei denn Stuttgart baut ihn aus. Der Radweg soll dann auch im Winter geräumt werden. Teile der Römerstaße befinden sich derzeit im Besitz des Bundes, der ganz froh ist, dass sich jetzt wieder jemand um die Straße kümmert. Ein gutes Projekt.
Ich bin an einem Feiertag dort herumgeradelt. Eine Gruppe Radler überholte mich. Die Frau rief ganz begeistert: "Das kann ich doch hier für meinen Weg zur Arbeit nutzen!" Gratuliere. Sie hat einen Weg entdeckt, der es ihr ermöglicht, aufs Auto zu verzichten.

Diese Römerstraße wurde vor rund 80 Jahren für Panzerfahrten zwischen den Kasernen in Böblingen und Vaihingen angelegt. Wir nennen sie deshalb Panzerstraße, obgleich die Panzerstraße, die tatsächlich diesen Namen trägt, quer dazu verläuft und ganz und gar den Autos gehört.

Eine solche Radstrecke eröffnet Radpendlern zwischen Böblingen und Stuttgart ganz neue Möglichkeiten. Sie bekommen einen Weg mit gutem Untergrund. Das wird auch diejenigen ermutigen, das Fahrrad zu nehmen, die sich bisher nicht vier Kilometer auf Kopfsteinpflaster hoppeln und sich nicht ihren Weg durch die Wälder parallel zur A 81 suchen wollten. Oder die sich gar nicht vorstellen konnten, die rund 6 km zwischen Sindelfingen und Rohr mit dem Fahrrad zurückzulegen. Eigentlich ja ein kurze Strecke. Nachts wird die Strecke allerdings nur für Unerschrockene attraktiv sein, und wenn nach 22 Uhr gar kein Licht mehr aufflammt, dürfte das viele abschrecken. Aber als Pendlerstrecke ist das gut geeignet. Da sind ja dann auch viele unterwegs.

Als ich die Strecke am sonnigen Feiertag abfuhr, waren etliche Spaziergänger und Radfahrende unterwegs. Mit einem Spaziergänger kam ich ins Gespräch. Ich erzählte ihm, dass das hier ein Radschnellweg werden soll. Er nickte. Ob ihn das störe, fragte ich ihn. Nein, sagte er, hier gebe es viele andere Wege für Spaziergänger. Er wandere von Vaihingen nach Böblingen, gehe dort essen und fahre dann mit der S-Bahn zurück. Okay soweit.

Inzwischen (6. Juni) habe ich aus zuverlässiger Quelle weitere Informationen bekommen. Demnach wird das Ganze nicht ein klassischer Radschnellweg, sondern eher ein Radweg, von dem Fußgänger/innen wohl nicht vertrieben werden. Die Straße ist breit genug. Morgens, wenn die Pendler unterwegs sind, wird es da auch eher keine Konflikte mit Spaziergängern geben, an einem Sommerabend vielleicht schon eher. Aber an dem Feiertag, an dem ich unterwegs war, hielt sich die Zahl der Spaziergänger/innen auch sehr in Grenzen.

Noch ein Wort zum Kopfsteinpflaster. Es ist ein wirklich schönes, eng gesetztes und kleines. Es ist beim Radfahren nicht so unangenehm, wie ich dachte. Ohnehin, je schneller man über Kopfsteinpflaster radelt, desto erträglich ist das Geruckel. Allerdings ist es an vielen Stellen auch beschädigt, es fehlen Steine, Steine sind auseinandergedriftet, manchmal wurde Asphalt darüber geschüttet. Es zeigt sich, dass Autoreifen sogar Kopfsteinpflaster rausdrehen an den Einbiegestellen von Waldstraßen, so selten die hier auch fahren. Und man freut sich dann doch, wenn man nach etlichen Kilometern wieder auf Asphalt rollt. Dieses Kopfsteinpflaster wäre nicht sicher genug für einen Radschnellweg. Radschnellwege sollen ja ein Pflaster haben, das bei Regen nicht rutschig wird.

Ich bin echt gespannt, ob Böblingen das hinkriegt. Ich wünsche es mir sehr.

Hier noch die Karten. Einmal die Google-Mapsstrecke für Fußgänger zwischen Sindelfingen und Vaihingen/Rohr (rechts oben), dann die Ein- und Ausfahrt in Vahingen über Rohr. Eine Nebenstraßenstrecke, die auf den Hauptstraßen mit Radstreifen (bergauf) aufwartet. Im Wald ist sie gut ausgeschildert. Und rechts unten sehen wir die Einfahrt zur Römerstraße in Rohr an der Autobahnbrücke.

Von Vaihinger Zentrum (Kreuzung Vaihinger Markt/Hauptstraße) führt der Weg über die Robert-Koch-Straße nach rechts in die Waldenburgstraße. Der muss man dann nur noch folgen, bis die Straße an dieser Stelle endet (Foto rechts).

Kommentare:

  1. Juhuu, diese Strecke nehme ich als Schlechtwetterroute wenn mir der Weg am Sulzbach zu matschig wird. Wenn sie im Winter geräumt ist, um so besser 8-).

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  2. Weg mit dem Kopfstein, her mit der Schwarzdecke

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    1. Überdecken mit Asphalt ist nur insofern Mist weil so ein Weg ohne entsprechenden Unterbau einfach nicht so lange hält wie er könnte. Und ich nehme an, dass der Unterbau unter so einem Kopfsteinpflaster nicht gerade der Beste ist, von der instabilen Kopfsteinschicht mal ganz abgesehen. Aber ja, natürlich ist es billiger und darum wird man es auch so und nicht ordentlich machen.

      Der Weg ist, wenn mal ausgebaut, sicherlich attraktiv, ich persönlich werde aber wohl weiterhin die direkte Variante (Pascalstraße/K1055) nutzen.

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    2. Ich werde auch weiter hin die (Pascalstraße/K1055) nutzen wenn man diese Straße für den Kraftverkehr sperren würde hätte man einen attraktiven direkten Radschnellweg mit geringen kosten!

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    3. Die Straße ist 80 Jahre alt und es fuhren regelmäßig Panzer drauf. Ich denke also nicht, dass sie sich von ein paar Pedelecs großartig setzen wird.

      Verstehe allerdings nicht, wie man die Pflastersteine damit 'schützt' - man will ja den Asphalt nicht einzeln abpulen. Aber als Fundamt eignet sich das Pflaster bestimmt gut!

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    4. Simon, es kommt eine Trennschicht über das Kopfsteinpflaster, dann noch mal drei Zentimeter Auflage drauf, dann Asphalt. Übrigens ist der Bund, dem diese Straße gehört, erfreut, dass das Kopfsteinpflaster so erhalten wird. Denn es ist auch klar, dass sich um diese Straße niemand mehr kümmert, sie also auch niemand mehr ausbessert.

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    5. Das Kopfsteinpflaster ist in einem guten Zustand, lediglich die Auffahrt zur Brücke in Rohr könnte mal nachgebessert werden. Im Gegensatz zu vielen Teerstraßen mit Löchern scheint das Pflaster die Prüfung der Zeit zu bestehen. Trotzdem ist der Radschnellweg ein großer Fortschritt, hauptsächlich wegen dem Räumen des Schnees und der Beleuchtung im Winter.

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    6. Kopfsteinpflaster ist ein ungeheuer stabiler Straßenbelag. Und hübsch anzuschauen. Leider halt nur für Fußgänger und Radler unbequem. Und für Anwohner solcher Straßen sehr laut, weil die Autoreifen laut sind. Den Kopfsteinpflastereweg könnte man nicht räumen (und streuen will man im Wald sicher nicht). Aber ob das an einem Montagmorgen, wenn es gechneit hat so klappt ... andererseits fährt es sich auf Frischschnee durchaus noch akzeptabel. Es wird erst kritisch, wenn alles schmilzt und überfriert. Na ja, aufs Räumen würde ich nicht so setzen.

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    7. Im vorletzten Winter wurde von Böblingen bis zur Kampfmittelbeseitigung das Kopfsteinpflaster geräumt, das Ergebnis war meines Erachtens gut zu befahren. Für den Winterdienst braucht es daher keinen neuen Belag, und Anwohner gibt es dort ja auch nicht. Komfortabler ist eine gut gepflegte Teerdecke, und im Herbst auch nicht so rutschig.

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  3. Für mich ist das schon ein Radschnellweg. Einziger Vorteil wäre der Winterdienst. Man sollte allerdings beachten, dass das ungfähr 510m über NN sind. Da liegt deutlich länger und öfter Schnee als in der Innenstadt. Deshalb glaube ich an einen regelm. Winterdienst erst, wenn ich es sehe.

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    1. Ich hoffe doch, das dieser Weg nicht gestreut wird. Einerseits dem Wald zuliebe, andererseits der offenen Technik am Fahrrad zuliebe (Kette, Ritzel etc). Im Pressebericht war von Räumen die Rede, was ich begrüße. Regelmäßig ist dabei meines Erachtens nicht erforderlich, denn auf Neuschnee fährt es sich wunderbar, wohingegen überfrohrener Schneematsch mit Fahrspuren darin eine Herausforderung darstellt. Falls hier gestreut wird, werde ich im Winter eine andere Verbindung benutzen.

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  4. Radschnellweg? Der erste in der Region Stuttgart? Das fände ich großartig und wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Es gibt immer viel zu mäkeln, aber man muss konstatieren, dass es in der Entwicklung des Radverkehrs Schritt für Schritt voran geht. Im Unterschied zu manch anderen, denke ich, dass dies maßgeblich auf den Einfluss der Grünen zurückzuführen ist. Super!

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  5. Als regelmäßiger Radfahrer habe ich natürlich nichts gegen Radschnellwege, aber mir blutet etwas das Herz, dass ausgerechnet dieser Abschnitt mit Kopfsteinpflaster dafür asphaltiert werden soll. Ich radle den immer gerne und hatte mit dem Belag noch nie Probleme.
    Als Teil des Radelthons hat dieser Streckenteil auch einen ganz besonderen Charme.

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  6. Dann kann ich nur hoffen, dass endlich die Abfahrt nach Kaltental "entschärft" wird. Die Straße ist durch den aufgepinselten Radstreifen so eng, dass es an ein Wunder grenzt, dass hier noch keine Radler unter die Räder gekommen sind. Erst heute bin ich wieder zweimal so dicht von Autos überholt worden, dass ich todesängste ausgestanden habe. Christine, ist das der Stadt eigentlich bekannt?

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    1. Meinst du den oberen Abschnitt vom Schillerplatz runter? (später ist er ja so breit wie eine Fahrbahn), oder die stellenweise schmaleren Radstreifen weiter unten, etwa am Dreiecksplätzle? Du fährst da vermutlich öfter runter als ich, denn ich bin dort noch nicht in brenzlige Situationen geraten. Schick mir doch an meine Mail-Adresse eine genauere Verortung der Stellen, die du entschärft haben möchtest.

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    2. Angesichts des neuen Radschnellwegs nach Böblingen/Sindelfingen sollte man auf Stuttgarter Gemarkung die Anbindung an die Hauptradroute überdenken. Die Waldburgstraße ist einseitig zugeparkt, und die Fahrradfahrer werden in die dooringzone gedrängt, was bei schneller Fahrt bergab übel enden kann. Auch bergauf ist der Schutzstreifen mäßig, so dass ich schon einen LKW Fahrer und einen PKW Fahrer auf sein riskantes überholen dort ansprechen musste. Unten gibt es mehrere Möglichkeiten. Über die Robert Koch Straße wird dann wieder an der Abzweigung Emilienstraße und an der Kreuzung zur Hauptstraße gefährlich. Besser wäre es, geradeaus über die Robert Bosch Straße, und dann über Mitterwurzerstraße zum Pullman Hotel. Dort müsste man einen Weg durch den Busbahnhof für die Fahrradfahrer frei machen zur Herrenberger Straße. Der Abschnitt zwischen Schillerplatz und Fauststraße sollte ebenfalls verbessert werden. Dann steht einer sicheren Fahrt von Böblingen in die City nichts mehr im Wege.

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