24. Februar 2018

Ariel, der Lifestyle-Kumpel

Wieder ein cooles Rad. Manche schreiben ja jetzt schon, Räder seien die neuen Statussymbole. 

Aber vielleicht sollte man sie eher Bekenntnisse zu einem bestimmten persönlichen Stil nennen. Sie müssen gar nicht besonders teuer sein. Man sieht ihnen aber an, dass ihr Besitzer oder ihre Besitzerin etwas ganz Persönliches haben wollte und hat. Sie werden auch schön ausgestattet.

Das ist ein Ariel Rider von Bann Industries. Ein Pedelec im Retrodesign mit starkem Motor, 26-Zoll-Räder, breite Reifen, Hinterradmotor und sechs Energiestufen. Es hat handgenähte Lenkergriffe und einen optisch integrierten Akku. Lenker und Sattel sind gefedert. Es kostet je nach Ausstattung und Modell zwischen 2.500 und 4.000 Euro. Dieses Fahrrad habe ich zufällig an einer Ampel gesehen und möchte es euch auch zeigen. Satteltaschen von Brooks, passt. Zum Retrostil passen natürlich auch die Speichenreflektoren, aber ich könnte mir dennoch eine stylischere Lösung vorstellen.




22. Februar 2018

Wenn es einfach mal schön gemacht wäre ...

Das träume ich manchmal. Kürzlich stand ich eine Viertelstunde am Bahnhof und habe zugeschaut, was an der Fußgängerampel zur Lautenschlagerstraße so passiert. 

Immerhin einer der wichtigsten Übergänge für Radfahrende, die Richtung Milaneo, Bibliothek und Pragsattel rausfahren wollen. Über die Kreuzung Kriegsbergstraße/Heilbronnerstraße dürfen sie nicht. Also geht im Grunde nur hier, wenn man aus dem Zentrum kommt. Fußgänger sind in der Mehrheit. Natürlich arrangiert man sich irgendwie. Legalisiert ist die Ampel für Radfahrende übrigens noch nicht, oder anders gesagt: Sie können hier bei Fußgäner-Rot fahren, was auch einige tun. Aber noch andere Dinge passieren.

20. Februar 2018

Radfahren ist KEIN politisches Statement

Viele fahren Fahrrad. Auch Menschen, von denen ich es nicht unbedingt erwarte, weil sie sich fürs Auto einsetzen und neue Radwege und Radspuren ablehnen.

Diesen Fahrradfahrer/innen anderer als grüner politischer Farben würde niemand unterstellen, sie nähmen das Fahrrad aus politischen Gründen. Bei denen ist klar: Wenn sie aufs Fahrrad steigen, dann aus pragmatischen und privaten Gründen. Beispielsweise, weil es schneller geht, weil man damit in der Mittagspause schnell was besorgen fahren kann ...

18. Februar 2018

Ist die Fahrradstraße in Gefahr?

Ab Sommer gibt Sanierungsmaßnahmen am Österreichischen Platz. Da rostet der Stahl. Autos können dann nicht mehr von der Paulinenbrücke nach rechts über den Österreichischen Platz abbiegen.  

Sie sollen jeweils in den Sommerferien 2018/19/20 über die Tübinger Straße geleitet werden, und zwar zur Cottastraße und von der Fangelsbach in die Feinstraße. In der Bezirksbeiratssitzung am Dienstag vor zwei Wochen stellte die Stadt das Konzept für die Umleitungen vor. Ich war nicht nicht dort, denn ich war beim Radforum, das gleichzeitig stattfand. Die Stuttgarter Zeitung berichtet, der Verkehr solle auf der Paulinenbrücke nach rechts in die Marienstraße abgeleitet werden. Dann sollen die Autos die Silberburgstraße runter fahren und über die Tübinger Straße zur Cottastraße geleitet werden und dort auf die Hauptstätterstraße Richtung Heslacher Tunnel fahren. Außerdem wird die Sperre an der Feinstraße abgebaut.

16. Februar 2018

Jedes Auto braucht im Grunde drei Parkplätze

In Stuttgart gibt es anders als in anderen Ständen kein Gentleman-Agreement mit Autofahrern. Gehwegparken ist nicht erlaubt

Allerdings wird es auch nicht flächendeckend verfolgt, sondern nur schwerpunktmäßig geahndet. Deshalb entsteht mittlerweile vielerorts und bei vielen Menschen der Eindruck, die Stadt toleriere das Gehwegparken. Es häufen sich die Beschwerden, die auch vehement in Bezirksbeiräten vorgetragen werden. Immer mehr fragen sich, ob das noch so geht und was es uns alle kostet.

Die Krux ist nämlich: Wer ein Auto hat, braucht einen Parkplatz daheim, einen bei der Arbeit und einen, wo er einkauft. Nicht immer gleichzeitig, aber zu einem Prozentsatz. Und er erzeugt damit einen enormen Suchverkehr. Beides kostet die ganze Gesellschaft viel Geld, für das die Autofahrer nicht aufkommen.

14. Februar 2018

Radfahren ist ...

Argumemente gegen Radfahren gibt es viele, und sie sind alle unbegründet. Wir wissen das, aber wir werden immer wieder mit diesen Behauptungen konfrontiert. Und oft sind wir um eine Antwort verlegen. 

Da gibt es Abhilfe. Die Seite Cyclingfallacies hat 32 Vorurteile zusammengetragen und Antworten gegeben. Da wird mit solchen Mythen aufgeräumt wie, Radfahren sei gefährlich, man schwitze zu sehr, das Wetter passe nicht, es sei zu bergig oder Geschäftsinhaber seien auf Autokunden angewiesen. Ich berichte immer wieder über die einzelnen Themen und versuche, die Vorurteile zu entkräften. Aber an den Kommentaren vor allem auf meiner Facebookseite sehe ich, dass man es nicht oft genug sagen kann. Hier noch mal der Link zu einer wunderschönen Verbildlichung. Da kann man in Ruhe gute Antworten finden. Zum Beispiel:

12. Februar 2018

Der Radweg Holzstraße funktioniert immer noch nicht

Es ist halt immer noch nicht gut mit dem Radweg auf der Holzstraße. Die Fläche wird von Autos beherrscht, nicht von Fußgängern und Radfahrern. 

An einem Samstag halb zwei stand ich dann mal staunend da. Die Dorotheen-Tiefgarage wird gut angenommen von den Autofahrern. Es gab Stau bei der Einfahrt. Die Autos standen entweder auf der Fußgängerfläche und die Leute mussten über den Radweg um sie herum gehen oder sie standen auf dem Radweg und die Radfahrer mussten durch den Fußgängerbereich um sie herum fahren. Beides ist nach der StVO verboten. Radfahrende dürfen ihren Radweg nicht verlassen. Im Fußgängerbereich dürfen sie nicht fahren. Sie müssten theoretisch absteigen und um das Auto-Hindernis herumschieben. Auch Fußgänger haben auf einem Radweg nichts zu suchen. (Autos natürlich auch nichts.) Das ist alles sehr schlecht.

10. Februar 2018

Bei Nacht und Nebel ...

... fahren manche Radler ohne Licht und viele Autofahrer deutlich schneller als tagsüber. Vermutlich fahren auch Radler nachts schneller. 

In einer Nacht begegnen mir unter zwanzig bis dreißig Radfahrenden etwa zwei bis drei ohne Licht. Mal abgesehen davon, dass das passieren kann, weil man verpeilt ist und sein Licht nicht eingeschaltet hat oder weil sich bei der Heimfahrt herausstellt, dass es nicht tut, so ist es doch ein Phänomen, das sich nicht recht verstehe. Auch als Radfahrende sehe ich Radler ohne Licht erst im letzten Moment.

Und nun gibt es eine faszinierende Studie aus der Schweiz, die belegt, dass Autofahrende bei Dunkelheit und Nebel viel schneller fahren als bei Sonne und klarer Sicht. 

9. Februar 2018

Radverkehrspolitik im Bund

Die Seite itstartetwithafight hat sich den Koalitionsvertrag angeschaut und Willenserklärungen zum Thema Radverkehr gefunden. 

Es sind neun Zeilen. Immerhin steht darin, dass die Mittel für den Radverkehr erhöht werden sollen. Es sollen mehr Radwege gebaut werden. Außerdem will man die gesetzliche Grundlage schaffen, dass Radwege unabhängig vom Verlauf einer Bundesstraße geführt werden können, also getrennt vom rasenden Verkehr durch schönere Gegenden. Auch das Programm für den Bau von Radschnellwegen soll praxisnaher ausgestaltet werden.

Interessant finde ich, dass auch die Straßenverkehrsordnung überprüft werden soll mit dem Ziel, den Radverkehr zu fördern und die StVO fahrradgerechter zu machen. Das  freut mich. Ich habe  vor ein paar Tagen schon mal meine Vorschläge dazu veröffentlicht.

8. Februar 2018

Das Ruderfahrrad - cool

Radfahren ist ja nicht mein Sport, sondern mein Fortbewegungsmittel. Rudern hingegen ist mein Sport. Und da gibt es jetzt etwas, das beides verbindet. Das Rowcycle.

Entwickelt wurde das Ruderfahrrad von Michael Schmidtler, einem Ingenieur in Regensburg, der selber Leistungsruderer war. Doch zum Rudern braucht man einen Fluss. Und wenn der Hochwasser hat, so wie der Neckar im Januar wochenlang, dann muss man sich im Studio aufs Ruderergometer setzen. Dabei ist Rudern ja ein Draußen-Sport. Und was es immer reichlich gibt, sind Wege, und entlang eines Flusses sind sie zumeist auch relativ gerade und eben.

Also rauf aufs Ruderfahrrad und sich im Handbetrieb auf einem Rollsitz vorwärts bewegen wie auf dem Ergo und dabei draußen wie beim Rudern. Wie das geht, sieht man auf diesem Video.

6. Februar 2018

Heute Abend Radforum Infrastruktur im Rathaus

Um 18 Uhr in Raum 406 im Stuttgarter Rathaus findet wieder ein Treffen der Radfahrer statt, die sich für Stuttgarts Infrastruktur interessieren. 

Frank Zühlke vom ADFC und der Fahrradbeauftragte Köhnlein werden die Haushaltsbeschlüsse erläutern, die der Gemeinderat im Dezember zum Thema Fahrrad gefasst hat. Das bedeutet unter anderem: Planung von diversen Radrouten, Winterdienst, Fahrradabstellplätze in Wohngebieten und Förderung von Lastenrädern für Familien.

Jeder und jede kann zum Radforum des Radhauses kommen und mit diskutieren. Wer Fragen zu bestimmten Routen und Radverbindungen mitbringt, kann sie stellen. Das Radforum ist so gut und lebendig wie das Interesse der Teilnehmenden es will.




Straßenverkehrsordnung dem Radfahrboom anpassen!

Unsere Straßenverkehrsordnung ist rückständig, was den Radverkehr betrifft. 

Für Autofahrer wird ständig modernisiert, aber so manche Regeln für den Radverkehr sind seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr angefasst worden. Wenn wir wollen, dass Regeln eingehalten werden, müssen sie verständlich sein und sich auf die Realität auf der Straße beziehen. Außerdem müssen sie die modernen Fahrräder berücksichtigen.

Wir Radler können zwar nicht auf die Bundesregierung setzen, aber sehr wohl auf die verkehrspolitischen Sprecher anderer Parteien, die im Verkehrsausschuss sitzen. Denen schlage ich hier ein paar Punkte vor, die dringend der Wirklichkeit angepasst werden müssen.

1. Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht. (StVO § 2 Ansatz 4.

4. Februar 2018

Am 9. Februar ist internationaler Winter-Fahrradpendlertag

Im Winter nimmt bei uns der Radverkehr zwar ab, aber es sind gerade diesen Winter immer noch unheimlich viele in Stuttgart auf ihren Rädern unterwegs. 

Das ist eine schöne Entwicklung. Seit 2013 gibt es den "Winter Bike to Work"-Tag, der immer am zweiten Freitag im Februar stattfindet. Erfunden haben ihn Finnen und Kanadier als Gemeinschaftsprojekt, das sich inzwischen zu einem internationalen Wettbewerb entwickelt hat. Mehr als 40 Nationen beteiligen sich, wie der ADFC  Göppingen berichtet. Deutschland war bisher noch nicht so recht dabei. Das können wir ändern.

2. Februar 2018

Zeitung macht mit Unwahrheit Stimmung gegen Radfahrer

Die Stuttgarter Nachrichten behaupten, dass Anwohner an der Neuen Weinsteige wegen eines Radwegs Nachteile haben werden. Das ist eine Falschmeldung.

Sie zielt darauf, Empörung abzurufen. Leider stimmt schon mal die Voraussetzung nicht. Es wird keinen Radweg die neue Weinsteige hinauf geben. Was es aber gibt, ist ein Gehweg, der endlich begehbar ist und der für Radfahrende freigegeben wird. Parkplätze wird es weiterhin geben, sie werden sehr teuer extra gebaut, ohne dass die Anwohner dafür etwas bezahlen müssen.

Eine Sanierung des bisherigen viel zu engen und immer zugeparkten Gehwegs wird möglich und nötig, weil die Stützmauer der Neuen Weinsteige saniert werden muss.

Radfahrer fährt Fußgänger an - Zeug/innen gesucht

Am Montag hat ein unbekannter Radfahrer einen Fußgänger auf dem Überweg über die Karl-Kloß-Straße am Erwin-Schöttle-Platz im Süden angefahren und die Flucht ergriffen. 

Der Fußgänger stürzte und zog sich Prellungen zu, die im Krankenhaus versorgt werden mussten. Ein Radfahrer soll dem Polizeibericht zufolge den Unfallverursacher Richtung Marienplatz verfolgt haben. Es ist nicht bekannt, ob er ihn gestellt hat. Die Polizei sucht Zeug/innen und bittet auch den Radler, der den Unfallflüchtigen verfolgt hat, sich zu melden. Auch der Unfallversursacher darf und sollte sich natürlich melden.

Leider muss ich leise anmerken, dass es eigentlich nur ein Frage der Zeit war, dass auf diesem Überweg etwas passiert. Und vemutlich ist dort schon viel mehr passiert.

31. Januar 2018

Personentransport mit dem Fahrrad - verboten oder erlaubt?


Das ist die große Rikscha-Frage. Ja, man darf Erwachsene transportieren, entscheidet das Oberlandesgericht Dresden im Jahr 2004. 

Derzeit werden Fahrern von Velotaxis Auflagen gemacht, sobald sie Personen befördern. Ohne Menschen drin gilt die Rikscha als normales Fahrrad, etwa wie ein Lastenrad. Setzt man Menschen hinein, braucht es eine extra Genehmigung von Ordnungsamt und Polizei.
Eigentlich nicht nötig und nicht richtig, meint das OLG Dresden 2004. Denn die Fahrrdrikscha ist vom Gesetzgeber nicht bedacht worden. Paragraf 21 Abs. 3 der StVO (siehe auch unten*) bezieht sich vor allem auf Kinder und Kindersitze und das Mindestalter einer Person, die Kinder befördern darf (16 Jahre), nicht aber auf dreirädrige Fahrräder mit Sitzen für Erwachsene. Eine gesetzliche Präzisierung ist dringend erforderlich, meine ich. 

29. Januar 2018

Notorisch blind für Radfahrende

Kürzlich bin ich auf einen Artikel in Spektrum der Wissenschaft übers Radfahren in Städten gestoßen. Er stammt aus dem Mai 1995 und lautet "Alltagsmobilität und nicht motorisierter Verkehr". 

Mir scheint, an der Diskussion hat sich binnen zwanzig Jahren nicht viel geändert. Immer noch wird Politik zugunsten des Autos gemacht, wenn auch der Fuß- und Radverkehr deutlich öfter zumindest in politischen Reden und Grundsatzbeschlüssen hervorgehoben wird.

"Wurde die Verkehrsplanung immer nur von Männern im besten Alter für Männer im besten Alter gemacht?"
Das fragt der Mobilitätsforscher von Socialdata, Erhard Erl und erläutert, dass die Verkehrssituation von Menschen gern nur aus der eigenen Perspektive wahrgenommen und dann verallgemeinert wird. Er schreibt "... die objektiven Bedingungen werden subjektiv wahrgenommen und individuell bewertet, von Verkehrsteilnehmern wie von Verkehrsplanern und politischen Gremien. Dabei wird der motorisierte Verkehr stark überbewertet, während dem nicht motorisierten für eine funktionierende und umweltverträgliche Verkehrsgestaltung oft wenig Beachtung geschenkt wird."

28. Januar 2018

Eine Regel-Verstoß-Maschine - Radabstellanlagen in der Fußgängerzone

Sowas finde ich ja immer ganz toll: Radabstellanlagen, zu denen man gar nicht hinfahren darf. Nennt sich: "Ätsch-bätsch, lieber Radfahrer. Steig gefälligst ab, wenn du dein Rad hier parken willst oder verletzt halt die Regel." 

Diese vielen, vielen Radbügel in der Else-Josenhans-Straße im Dorotheenviertel sind ja wirklich toll, sie waren sogar an einem regnerischen Freitagnachmittag ganz gut besetzt. Aber muss das wirklich sein, dass man den Radfahrenden zu Zufahrt verbietet? Ist es zwingend notwendig, dass Radparkplätze nicht angefahren werden können?