Psychologie

Warum missachten Radler/innen so oft rote Ampeln? Weil Ampeln für den Autoverkehr oder für den Fußgänger gemacht sind, aber nicht für Radfahrer.

Weil es in Stuttgart an vielen Stellen für Radfahrer keine Streckenführung gibt, die dem besonderen Modus des Radfahrens angemessen wäre.

Radler brauchen weniger Ampeln als Autofahrer, sie sind wendiger, schmaler und reagieren schneller. Der Ampelhalt bedeutet bremsen, stillstehen, absteigen und angespannt warten. Wird die Ampel grün, muss der Radler aufsteigen und antreten. Das ist die Phase, für die er am meisten Energie aufwenden muss. Deshalb versuchen Radfahrer die Situation so einzuschätzen, dass sie stets am Rollen bleiben. Sie fahren so vorausschauend, dass sie nicht zum Stillstand abbremsen müssen.

Das führt zu teils haarsträubenden Manövern, mit denen Radler rote Ampeln umgehen, über den Gehweg, über eine Fußgängerampel auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Besonders dann, wenn der Autofahrer grüne Welle hat, die aber für den Radler nicht mehr reicht, sodass er an jeder Fußgängerfurt warten muss, auch wenn gar kein Fußgänger quert. Oder aber wenn Fußgänger grün haben, während der Radler an seinem Ämpelchen noch warten soll. (Foto links)

Es ist deshalb nicht geschickt, Radler auf Fahrbahnen genauso oft und genauso lange warten zu lassen wie Autofahrer, die in jeder Phase ihrer Fahrt gemütlich zurückgelehnt sitzen. Und wenn dann auch noch mehrere Ampeln hintereinander geschaltet sind und Autofahrern die grüne Welle anbieten, aber nicht den Radler, dann steigt ein Radfahrer aus dem System aus und flüchtet über den Gehweg oder fährt bei Rot.

In Frankreich gibt es längst den Gelben Pfeil an Autoampeln. Er erlaubt es dem Radler, rechts abzubiegen oder an einer T-Kreuzung geradeaus zu fahren, auch wenn Autos noch Rot haben. Wie beim grünen Pfeil für Autos muss der Radler dabei natürlich auf Fußgänger achten und darf auch sonst niemanden gefährden.

Ich plädiere hier für eine Verkehrspolitik, die auf Radfahrer zugeschnitten ist. Radfahrer müssen runter von den freigegebenen Gehwegen auf die Fahrbahn. Dort müssen sie eine Verkehrsführung vorfinden, die sie nicht wie Autos behandelt, sondern ihnen das Fortkommen als Radfahrer erleichtert. Denn Stuttgart braucht viel mehr Radfahrer als es bereits hat. Viele Radler entlasten die Stadt vom Autostau, von Feinstaub und Lärm.

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1 Kommentar:

  1. Ich halte bei rot. Möglicherweise ist es nicht ganz das Thema, aber ich halte den Aspekt der Verkehrsregel zur Interpretation für äußerst wichtig, was die Qualität der Fahrradampel betrifft. Ich halte bei rot um zu schauen ob ein aufmerksamer Polizist in der Nähe ist, denn wird man dann erwischt kann es teuer werden, sogar mehr als 100€. Aber ist das gerechtfertigt? Was spricht denn gegen eine Vorfahrts-ampelregelung? Rot=vorfahrt-gewähren, das hätte viele Vorteile: 1. Man ist achtsamer bei der Überquerung der Kreutzung, eine Achtsamkeit die möglicherweise auch bei grün hilft. 2. Man ist schneller aus dem Gefahrenbereich-Kreuzung und der Big Run beim Wechsel zu grün entfällt, eine häufige Unfallursache (LKW-Rechtsabbieger). 3. Entweder ist man viel schneller unterwegs, weil sehr oft frei ist, oder man fährt legaler (eins von beiden;-) 4. Das unsägliche Geraune der Autofahrer, dass Kampfradler und überhaupt Radler die Dreistigkeit besitzen doch tatsächlich bei rot über die Ampel fahren, womit eigentlich den Radler die Teilnahme am Verkehr entsagt werden möge, hätte damit ein Hauptargument weniger.

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