27. März 2017

Schilderkonflikt

Auf Wirtschaftswegen müssen Radfahrende mit Dreck rechnen, also mit Erdklumpen, die aus Traktorenreifen fallen. Sie dürfen dort aber u. U. durchaus radeln, auch wenn ein es ein Einfahrtverbotsschild verbietet. 

Das hat das Oberlandesgericht Hessen vor fast zwanzig entschieden (OLG Frankfurt 24 U 21/99). Geklagt hatte ein Radler, der auf Dreck gestürzt war. Das OLG stellte fest: Die Stadt hatte keine Sicherungspflicht. Die Stadt muss nur vor unerwarteten Gefahren schützen. Auf einem Feldweg aber sind Verschmutzungen und Unebenheiten zu erwarten.

Nebenbei fiel dabei noch eine für uns höchst interessante Entscheidung. Manche Feldwege sind, wie der hier in Wangen im Allgäu, für alles, was fährt (außer Handkarren) gesperrt. Das weiße Schild mit rotem Kreis sagt: Hier darf niemand fahren. Auch Fahrräder nicht. Allerdings hängt da auch ein Schild, dass die Strecke als Radroute ausweist.

25. März 2017

Wo hauptsächlich Paragraf 1 der StVO gilt

Das sind Wege, die nicht zu den Autostraßen gehören und auch nicht Radwege oder Gehwege sind. Zum Beispiel Feldwege. Hier gilt Rechts vor Links. Ansonsten muss man aufeinander achten und einander ausweichen. 

Autos (meist nicht erlaubt) müssen mit angepasster Geschwindigkeit fahren. Radfahrende auch. Fußgänger müssen aber auch ausweichen und beiseite treten. Traktoren sollte man auch Platz machen. Das ist zumindest das, was ich zur Situation auf Feldwegen, die man auch Wirtschaftswege nennt, gefunden habe. Beispielsweise hier.

Das Augenmerk richte ich aber jetzt mal auf einen Abschnitt, den sehr viele Radfahrende in Stuttgart kennen, nämlich den Abschnitt zwischen Hofener Straße und der Aubrücke, bzw. Max-Eyth-See.

Ein Radweg führt die Wagrainstraße hinauf. Radwegweiser zeigen aber auch in diesen Weg, der vor allem am Wochenende von Ausflüglern zu Fuß und auf dem Fahrrad gern genutzt wird. Autos dürfen nur zu den Plarkplätzen des Ruderclubs und des Golf-Drives fahren (siehe rotes Schild mit Auto und Motorrad und Anlieger frei), weiter nicht. Für Radfahrende gilt diese Beschränkung nicht. Ohnehin dürfen Radfahrende auch auf einem Feldweg fahren, der für alle Fahrzeuge gesperrt ist, wenn dieser Weg Teil des ausgewiesenen Radwegnetzes eines Ortes ist (OLG Frankfurt 24 U 21/99, dazu übermorgen mehr).

Ich habe einmal eine richtige Brüllereie mitgekriegt zwischen einem langsamen und einem schnellen Radler. Der Langsame meinte, dies sei ein Fußgängerweg, hier müsse Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Aber so ist das auch nicht. Der gesunde Menschenverstand sagt: Hier sind so viele Fußgänger unterwegs, dass man langsam tun muss. Fußgänger dürfen allerdings den Weg auch nicht komplett versperren. Meistens - eigentlich fast immer - geht es hier allerdings sehr friedlich zu. Alle achten aufeinander. Soweit ich das herausfinden konnte, sind diese Wege echte Mischverkehrswege, wo man sich per Blick verständigt, wo man sich im Tempo zurückhält, aber auch beiseite tritt und durchwinkt.

Hier liegt auch der Ruderclub, in dem ich selber rudere. Und viele werden schon gesehen haben, dass die teils schweren Boote von der Bootsmannschaft über diesen Weg zum Steg hinunter getragen werden. Grundsätzlich warten wir Ruderer, wenn Fußgänger und Radfahrer kommen, und lassen sie durch. Mancher sportlich gesinnte Radfahrer aber hält auch mal an und winkt uns grinsend durch.

Dieser auf den Boden gemalte Warnhinweis hat natürlich keinerlei rechtsverbindliche Bedeutung. Er macht nur darauf aufmersam, dass hier seltsame Menschen mit seltsamen Spaten, die Ruderer Skulls nennen,  kreuzen, aber natürlich nicht Vorrang haben. Ähnlich wie das "Spielende Kinder"-Schild in Bauernhofdurchfahrten.

Am Sonntag den 2. April findet hier allerdings die große Regatta um die Cannstatter Kanne statt. Und da stehen dann ganz arg viele Zuschauet auf diesem Weg herum.


23. März 2017

Schauen beim Fahren!


In Rotenburg an der Wümme hat es vorgestern einen furchtbaren Rad-Unfall mit zwei Jugendlichen gegeben. 

Wieder war ein Lastwagen beteiligt. Eine 16-Jährige starb dabei, ihr Bruder wurde verletzt. Zum Glück fahren in Stuttgart wenige Lastwagen. Sonst würden bei uns solche Unfälle auch häufig vorkommen.

Die Geschwister radelten am frühen morgen zur Schule. Sie fuhren auf dem Radweg parallel zur Bremer Straße, der durch einen Grünstreifen und etwas Gebüsch von der Fahrbahn getrennt ist und rollten dann auf den roten Radstreifen, der ohne weitere Ampelanlage über die querende Otto-von-Guericke-Straße führt. Ein 28-Jähriger LkW-Fahrer bog ab und sah wegen der tiefstehenden Sonne, sagt er, die beiden Jugendlichen nicht. An dieser Stelle kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, schreibt die kreiszeitung.

21. März 2017

Radfahren ohne Regelverstoß - geht nicht

Es ist nicht möglich, Radwege und Radrouten zu fahren, ohne die Regeln zu verletzen. Meistens sind es Kleinigkeiten.

Aber auch kleine Regelverletzungen sind Regelverletzungen. Wenn sie unvermeidlich sind, tragen sie dazu bei, dass Radfahrende das Regelverletzen regelrecht einüben und eine Ignoranz gegenüber Fahrbahnmarkierungen, Schildern oder Ampeln entwickeln. Das ist nicht gut so.

Etwa wie bei der Ausleitung aus der Fahrradstraße vom Marktplatz her auf den Radweg entlang der Holzstraße Richtung Charlottenplatz. Hier müssen Radler nach links und dabei eine doppelt durchgezogene Sperr-Linie überfahren.

19. März 2017

Fahrradparkplätze sind entscheidend

 Bihlplatz 
So formuliert es das Tiefbauamt der Stadt Zürich in seinem "Leitfaden zur Veloparkierung in Wohngebieten". 

Da heißt es: "ein zentraler Aspekt der Velonutzung ist die Frage der Parkierung. Da die meisten Wege zu Hause beginnen und enden, ist es insbesondere wichtig, dass Wohnhäuser und Siedlungen über qualitativ hochwertige Anlagen zur Veloparkierung verfügen." Dafür können auch wir Radler/innen selbst etwas tun. Mehr dazu unten.

Das Problem: Für Leute, die im dicht mit teils fünf- bis sechsstöckigen Häusern bebauten Westen oder Süden, in Heslach, im Stuttgarter Osten und so weiter wohnen, ist entscheidend, dass sie ihr schweres Pedelec nicht in einen Keller tragen müssen, bei der Frage, ob sie sich so ein Fahrrad anschaffen und damit zur Arbeit radeln.

17. März 2017

Der Schwerlast-Anhänger aus Freiburg

Bisher habe ich immer gehört, Lastenanhänger fürs Rad, die mit 150 kg belastbar sind, könne man nur in den USA kaufen.

Bei Gobax in Mössingen habe ich diesen Anhänger gesehen. Er wird von Carla Cargo in Freiburg gebaut.

Er hat einen Elektromotor und eine Auflaufbremse (ohne wäre ein Hänger für so ein Gewicht auch verboten). Ich habe ihn mir an ein Rad hängen lassen (Gobax wird noch eine Kupplung bauen, die tiefer liegt, sodass der Gepäckträger benutzbar wird) und bin ihn probegefahren.

15. März 2017

Helme ja, Helmpflicht nein - eine Abwägung

Vor ein paar Tagen meldete der SWR, dass die Regierung von Baden-Württemberg keine Helmpflicht für Radfahrende einführen will, aber sehr wohl das Helmtragen empflehlt. Es ist bekannt, dass der Grüne Verkehrsminister Hermann ein Fan einer Helmpflicht ist.

Er hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben. Es ist aber auch bekannt, dass viele Radfahrende und Radfahrverbände oder -Initiativen gegen eine Helmpflicht sind. (Ich übrigens auch, obgleich ich immer einen Helm trage). Sie befürchten nämlich, dass dann viele nicht mehr aufs Fahrrad steigen. Und das wäre für die Gesamtgesellschaft wiederum ein Nachteil und auch teurer. Da Kinder heute immer Helm beim Radeln tragen, wird sich das im Lauf der kommenden Jahre aber ändern. Immer mehr Menschen werden Helm tragen, auch ohne Gebot.

Die Studie kann man hier lesen.

13. März 2017

Fahrradunfälle im vergangenen Jahr

In Deutschland sterben pro Jahr gut 200 Radfahrende bei Zusammenstößen mit Autos.  In 75 Prozent der Fälle sind die Autofahrer schuld.

In Stuttgart haben im vergangenen Jahr 491 Radlerunfälle Eingang in die Statistik der Polizei gefunden. An ihnen beteiligt waren übrigens nur 42 Pedelec-Fahrer/innen. Was nicht viel ist, wenn man bedenkt, wieviele Pedelecs in Stuttgart im Vergleich zu anderen Städten unterwegs sind. Ein Radfahrer kam im vergangenen Jahr ums Leben. Der Unfall hat uns sehr beschäftigt.

Zum Unfallschwerpunkt entwickelt sich derzeit Kernerplatz. Das ist ein Kreisverkehr auf einer viele befahrenen Halbhöhenroute auf über die Urbanstraße zwischen Süd und Stuttgart Ost. Hier gab es nach Informationen der Unfallstatistik im Polizeipräsidium fünf Unfälle. Obgleich Autos bergauf ein Stoppschild haben, kommt es offenbar immer wieder vor, dass ein Autofahrer aus der Landhausstraße trotzdem fährt und einen Radler erwischt.

11. März 2017

Eine Minderheit beansprucht sehr viel Platz

Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs (die dann zu Fußgänger werden) stellen den größten Teil derer, die in einer Stadt wie Stuttgart unterwegs sind.

Es dürften zusammen über die Hälfte sein. Doch den allermeisten Platz brauchen Autos. Und wir geben ihn ihnen. Übrigens durchaus murrend. Denn auch die, die im Autos sitzen, aber im Stau stehen, schimpfen auf Autos, nämlich die anderen. Wir alle wünschen uns in der Stadt mehr Ruhe und mehr Bewegungsfreiheit.

9. März 2017

Der Grüne Pfeil für Radler rückt näher

Es könnte doch tatsächlich etwas werden mit der Regelung, die Radfahrenden erlaubt, an roten Autoampeln rechts abzubiegen oder an T-Kreuzungen geradeaus weiterzufahren. 

Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass das Verkehrsministerium prüft, ob neue Schilder eingeführt werden können, die das erlauben. Also der Grüne Pfeil für Radfahrer. Die Bundesanstalt für Straßenwesen klärt gerade die Frage, ob das für die Verkehrssicherheit sinnvoll ist und die Verwaltungsvorschrift für die Staraßenverkehrs-Ordnung entsprechend geändert wird. So heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemnberg, Matthias Gastel. Auch die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat haben auf ihre Anfrage von der Stadtverwaltung die Antwort bekommen, dass den Grünen Pfeile wolle und das Ergebnis abwarte.

7. März 2017

Können Fahrräder fliegen?

Ja, sie können. Oder anders herum gesagt, man kann Fluggeräte bauen, die mit Muskelkraft betrieben werden. 

Mehr auf der Intrnetseite Gustav Mesmer
Der erste dürfte Gustav Mesmer aus Altshausen, Oberschwaben, gewesen sein, der fliegende Fahrräder baute. Bevor er Anerkennung erfuhr saß Mesmer 40 Jahre in der Psychiatrie. In seiner Krankenakte tauchte am 10. Oktober 1932 zum ersten Mal die Notiz auf: "Hat eine Flugmaschine erfunden, gibt entsprechende Zeichnungen ab" (Quelle: www.Gustav Mesmer).

5. März 2017

Wo ist eigentlich das Problem?

Üblicherweise regen wir uns fürchterlich auf, wenn wir Radfahrer in Fußgängerzonen sehen. Die Presse erweckt dann gern den Eindruck, als würden Kampfradler kleine Kinder über den Haufen fahren. 

Es wird  Zeit, dass wir mal neugierig hinschauen und gucken, was tatsächlich los ist. Wie viele so radeln (wieviele Autos da wieder mal herumstehen, also reingefahren sind) und wie die Fußgänger reagieren. Ich habe da eine Stunde herumgestanden, und ich fand, dass es total friedlich zugeht, sowohl auf der Königstraße wie auch auf dem Marktplatz, auch wenn hin und wieder mal ein Radler auf seinem Fahrrad sitzt, statt zu schieben. Es fuhren sogar zwei Radler (einen habe ich fotografiert) die Schulstraße hinunter. Übrigens waren alle Fahrradfahrer sehr langsam unterwegs. Einer ist dann abgestiegen, als es eng wurde.